Aufgrund der starken Abhängigkeit der EU von Gasimporten, die bis 2022 insbesondere aus Russland stammten, führte der Europäische Rechnungshof eine Prüfung durch, bei der er untersuchte, ob die seit 2014 ergriffenen Maßnahmen die Versorgungssicherheit durch die Verstärkung der Vorsorge und Resilienz der EU verbessert haben. Die Herausforderung, langfristige Versorgungssicherheit ohne russisches Gas zu gewährleisten, steht dem ehrgeizigen Ziel der EU gegenüber, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Im Jahr 2022, vor der groß angelegten Invasion Russlands in die Ukraine, machte Gas etwa ein Viertel des Bruttoenergieverbrauchs in der EU aus, wobei die höchsten Anteile in Italien, den Niederlanden und Malta (zusammen rund 40 %) zu verzeichnen waren. Im selben Jahr wurden mehr als 20 % des Stroms in der EU und fast 40 % der Wärme aus Gas erzeugt. Da die EU mehr als 80 % ihres Gases importiert, ist eine sichere Versorgung von wesentlicher Bedeutung, um die Wirtschaftskraft zu erhalten und den Wohlstand zu sichern.

Die rasche Einstellung der Gasimporte aus Russland im Jahr 2022 (die zu diesem Zeitpunkt 45 % der Gaseinfuhren der EU ausmachten) führte zu einer Versorgungskrise, die ihrerseits eine Erschwinglichkeitskrise auslöste. Im August 2022 erreichten die Großhandelspreise für Gas einen Höchststand von 339 Euro pro Megawattstunde (MWh), verglichen mit 51 Euro pro MWh im August 2021.

Die Europäische Kommission sah die Gaskrise voraus, als sie 2014 die Auswirkungen einer Unterbrechung russischer Gaslieferungen simulierte. Die Kommission ging davon aus, dass steigende Gaspreise zu einer Verringerung der Nachfrage und zu einem Anstieg der LNG-Einfuhren führen würden, die auf die am stärksten von Gasengpässen betroffenen Märkte verteilt würden. Dies ist im Großen und Ganzen seit Anfang 2022 so eingetreten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die EU vollständig auf die derzeitige Krise vorbereitet war oder dass in den nächsten Jahren kein Risiko einer Versorgungsknappheit besteht.

Unsere Prüfer befassten sich mit dem rechtlichen und finanziellen Rahmen der EU für die Gasversorgungssicherheit und der Reaktion der EU auf die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Gaskrise. Die Prüfungsfeststellungen und Empfehlungen zur Verbesserung der Gasversorgungssicherheit werden am Montag, den 24. Juni auf der Website des Rechnungshofs veröffentlicht.

Wie sicher ist die Gasversorgung der EU?